„Nach und nach werden Räume erkundet, in dem auch mal schnell das Ende des virtuellen Lebens wartet.“

Auch in Online-Anzeigen obwaltet mitunter schrecklicher Schreibdilettantismus, wie ich jüngst bei der Lektüre eines Artikels auf „Spiegel Online“ feststellen mußte. Kaum zu unterscheiden vom redaktionellen Inhalt prangte mir am Ende des Textes eine Werbung zu einem Computerspiel entgegen.

Dort heißt es:

„Gangsters 1920“ ist ein spielbarer Noir-Krimi. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Detektivs und muss einen Banküberfall aufklären. Dafür muss er Hinweise sammeln, Gespräche führen und Gefahren ausweichen. Nach und nach werden Räume erkundet, in dem auch mal schnell das Ende des virtuellen Lebens wartet.

Tja. Ist wohl ein spezieller Fall von Plural-Legasthenie. Aber das paßt zur heutigen Sprachintelligenz. Diese Verkrüppelung trifft man immer häufiger.

Richtig müßte es so heißen:

Nach und nach werden Räume erkundet, in denen auch mal schnell das Ende des virtuellen Lebens wartet.

War nicht besonders schwer diese Korrektur, wie ich zugeben muß. Wie doof sind diese Werbefuzzis eigentlich? Können die noch nicht mal einen einfachen Text verfassen?

Ist jedenfalls merkwürdig, wenn man so etwas in einer Werbung liest, die ja den Verkauf eines Produktes fördern soll. Fehler können immer passieren. Man hat aber zunehmend den Eindruck, daß die kollektive Sprachintelligenz degeneriert. Daß hier etwas stattfindet, das in einen größeren Zusammenhang gehört.

Ein Hauptschuldiger dieser Entwicklung ist sicherlich der „Kapitalismus“. So etwas Feinsinniges wie die Sprache geht als erstes baden im allgemeinen Klima des Konkurrenzdrucks und des wirtschaftlichen Überlebenskampfes.

Sprache verlangt auch etwas Muße. Und genau die hat man immer weniger, je mehr wir uns zu Tode konkurrieren.

„Seit endlich mal auf Eure Gegner sauer.“

Der SPD-Vorstand betreibt auch einen Twitter-Account. Und läßt dort Folgendes zum Thema Urheberrecht/Upload-Filter verlauten, nachdem der Vorwurf laut wird, daß die SPD entgegen ihren Ankündigungen für die entsprechende Gesetzesreform gestimmt habe:

Der Imperativ von „sein“ lautet natürlich „sei“ bzw. „seid“. Das Wort „seit“ ist eine Präposition – oder eine Konjunktion, die einen Temporalsatz einleitet. So z.B.:

– „seit der Wiedervereinigung“
– „Seit ich AfD wähle, werde ich überall als böser Nazi geschmäht.“

So ein Twitter-Account wird normalerweise von Medienprofis oder Partei-Mitarbeitern betrieben, also in aller Regel Leute mit Abitur und Studium.

Auch wenn die SPD heutzutage eine überakademisierte Schnöselpartei mit besonderem Faible für sinnfreie, pseudoprogressive linke Gesinnungsethik wie Gender-Wahn und Frauenquoten ist, so täte ihr ein bißchen mehr Bildung in Sachen Rechtschreibung doch durchaus gut. Akademisierung muß nichts Schlechtes sein.

So formuliert es ein weiterer Twitterer in diesem Strang:

Dieser Twitterer beherrscht immerhin die Flexion des Verbes „sein“, wie man sieht. Dafür hat er ein problematisches Verhältnis zur Kommasetzung und leidet an der um sich greifenden Plural-Legasthenie:

eure Wurzeln und die Herkunft der Partei ist euch scheißegal geworden.

Alles in allem eine deprimierende Rechtschreib-Performance.

Lustigerweise ist auch zwei anderen Rechtschreib-Taliban der laxe Umgang mit dem Imperativ von „sein“ aufgefallen. Ich bin also nicht alleine:

Die Seite seitseid.de kannte ich bis dahin noch nicht. Sie klärt etwas weniger abstrakt als ich hier über den Unterschied von „seid“ und „seit“ auf.

Auf der Seite findet man auch noch Links zu anderen typischen Rechtschreibproblemen unserer Zeit.

Möge die SPD fürderhin ihre Volksnähe anders zum Ausdruck bringen als durch bildungsfernes Chantal-Deutsch. Ein Ende von „Gleichstellung“, Genderwahn, Islamunterwerfung, Asylwahn und Schuldkult wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.